Birdies & Bogeys‘ Golfball Test

27 Sep

Es gibt Golfer, die verwenden mehr Zeit auf die Wahl des passenden Golfballs als auf dem Platz. Und es gibt Golfer, für die ist der Unterschied zwischen einem Zwei-Euro-Ball und einem Fünf-Euro-Ball … drei Euro.

Ich gehöre zu den Spielern, die sich einen geeigneten Ball aussuchen und ihn dann sehr lange und sehr treu spielen. Der Vorteil: man weiss was man hat und wie sich der Ball verhält. Der Nachteil: man schmort in seinem eigenen Saft und bekommt nix neues mit. Und gerade die neuen Bälle kommen mit vermeintlich deutlich verbesserten Eigenschaften daher, und das mit einem vergleichsweise günstigem Preis. Also hiess es, die alten Zöpfe abzuschneiden – damit meine ich den Callaway Hot Bite, den ich seit über zwei Jahren spiele – und den Blick auf neue Möglichkeiten zu lenken. In diesem Fall konkret … ein Golfball-Test der drei Golfball-Größen Titleist, Nike und Taylor Made.

Getestet habe ich die Bälle über einen Zeitraum von ca. sieben Wochen auf dem Arnold Palmer Platz in Bad Saarow (Parkland), dem Linkscourse des GC Budersand auf Sylt und meinem Heimatplatz im Oberbayerischen Egmating. Die Testbedingungen waren alles andere als systematisch oder roboterunterstützt. Vielmehr habe ich die Bälle auf meinen normalen Runden eingesetzt, und zwar im Wechsel untereinander und mit meinem bisherigen Ball, dem Callaway Hot Bite. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an das Golflädchen, welches mir freundlicherweise die Bälle zur Verfügung gestellt hat.

Die Nullmessung

Wie bereits erwähnt spiele ich seit über zwei Jahren den Callaway Hot Bite. Ein dreiteiliger Ball, der mir vor allem ein weiches Gefühl rund ums Grün vermittelt und bei meinen Pitches gut auf dem Grün zum Halten kommt. Diese Disziplinen sind eher meine Stärken und ich habe den Ball damals aus diesen Gründen ausgewählt. Auf der anderen Seite neige ich vom Tee zu einem eher unkontrolliertem Fade, der an schlechten Tagen zu einem fiesen Slice heranwächst. Meine Spielvorgabe ist 29,4, was sich am meisten darin ausdrückt, dass mir in meinem langen Spiel die Konstanz fehlt.

Der Titleist NXT Tour

Der Titleist NXT Tour Modell 2011 ist ein dreiteiliger Ball, der alles verspricht … Länge vom Tee, Kontrolle und ein weiches Gefühl rund ums Grün. Gerade der letzte Punkt ist mir bisher immer sehr wichtig gewesen, wobei mir aufgefallen ist, dass der Titleist-Ball wirklich ein sehr angenehmes und weiches Gefühl vermittelt. Beim Putten und beim Chippen empfand ich die Kugel im erwarteten Bereich, beim Pitch war ich sehr angenehm überrascht – schöne hohe Flugkurve und gutes Halten, auch auf den sehr harten Grüns im GC Budersand.

Wirklich cool fand ich aber, was Titleist mit Kontrolle beschreibt. In meinen Worten war das die Fähigkeit, meinen fiesen Auftreffwinkel des Drivers mit einer lässigen Eleganz wegzustecken und statt mit einer seitlich-ballistischen Kurve im Rough zu verschwinden, noch halbwegs das Fairway zu finden. In dieser Eigenschaft habe ich den größten Pluspunkt dieses Balles entdeckt. Die größere Länge vom Tee war damit automatisch vorhanden und ein schöner Nebeneffekt. Im Vergleich zu meinem bisherigen Spiel also eine deutliche Verbesserung bei Schlägen vom Tee. Das 12er-Pack NXT Tour kostet 40 Euro (UVP), beim Golflädchen, welches mir die Bälle zur Verfügung gestellt hat, liegt der Preis aktuell bei 35 Euro.

Auf dem Course mit dem  Taylor Made Burner TP

Auch der dreiteilige Ball von Taylor Made will mit mehr Länge, Kontrolle und weichem Gefühl überzeugen. Besonders der weiche Kern mit der 75er Kompression soll besonders beschleunigen und rund ums Grün überzeugen. Vom Tee empfand ich den Taylor Made gut, aber auch nicht unbedingt als Ball, der die vielen Extrameter an Länge bringt.

Seine Stärke spielte der Ball aus meiner Sicht auf dem Fairway aus, da ich mit den Eisen ein wirklich gutes Gefühl hatte. Um und auf dem Grün ist der Taylor Made mit dem Titleist vergleichbar. Ich habe den Burner TP gern gespielt, besonders auf dem Arnold Palmer Platz, wo ich auf mein Eisenspiel geachtet habe. Insgesamt ein guter Ball, der dem Titleist ein klein bisschen nachsteht, aber beim Preis punkten kann (35 Euro UVP; 31.95 Euro im Golflädchen).

Nike One Vapor Speed

Nike verspricht mit dem One Vapor Speed Tour Technologie für den Amateur … und wie man sich denken kann: mehr Länge, mehr Kontrolle und mehr Gefühl. Was an dieser Stelle etwas beliebig klingt, ist aber eigentlich ein wahrer Fortschritt. Denn auch der Ball von Nike schafft es, in dieser Hinsicht als die eierlegende Wollmilchsau des Midhandicappers zu überzeugen. Er geht bei guten Drives satt vom Tee weg und nimmt dafür auch  weniger Seitwärtsdrall bei meinen schlecht geschwungenen Drives an.

Die Eisenschläge hatten eine schöne Flugkurve und auf dem Grün freute ich mich über ein schönes weiches Gefühl. Am meisten haben mir die Annäherungen Spaß gemacht, denn die Nike-Kugel war auf den Grüns sehr griffig, auf den weicheren Greens in Bad Saarow und Egmating subjektiv am besten. Ein prima Ball, der preislich beim Titleist liegt und ebenfalls 40 Euro UVP kostet und für 35 Euro im Shop zu haben ist.

Fazit

Der Test hat mir eine Menge Spaß gemacht, zumal ich auch mal ganz bewusst auf Flugkurve und Ballverhalten geachtet habe. Der Test hat mir aber auch gezeigt, dass ich meine Fühler schon längst mal nach neuen Bällen hätte ausstrecken müssen. Im Vergleich zu meinem Callaway haben alle drei Modelle besser punkten können und wirklich in allen Disziplinen aus meiner Sicht überzeugt. Wenn ich noch die besonderen Stärken der Bälle hervorheben müsste, dann sähe das wie folgt aus:

  • Titleist NXT Tour: Kontrolle bei Drives
  • Taylor Made Burner TP: Eisen (Länge und Kontrolle)
  • Nike One Vapor Speed: Pitches und Putten

Ich würde alle drei Bälle ohne Vorbehalte weiterhin spielen. Der Titleist und der Nike versprühen ein bisschen mehr Pro-Feeling, aber das ist zum Glück Ansichstssache :)

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