Österreich

30 Aug

Für einen, der vom Meer kommt (nein, nicht die Nordsee, sondern die Adria) ist es manchmal schon schwierig, die eigene Psyche zu verstehen. Da hat man des Meer in den Genen und verliebt sich in die Berge … naja, die Wege des Herrn sind ja bekanntermaßen unergründlich.

Aber egal, diese Liebe zu Österreich trieb mich auch um, als ich vor der Aufgabe stand, mit einer Vorlaufzeit von gerademal drei Wochen eine adäquate Ferienbleibe in der Hochsaison zu finden. All meine Unschuldsbekundungen (der Job machte eine bessere Planung nicht möglich) gingen ungehört durchs Hirn meiner Frau und so machte ich mich auf die Suche. Und da wir Drei (mein Sohn ist vier, er sagt fast fünf) keine Lust auf einen überteuerte Ölsardinenurlaub hatten, kam Kärnten schnell als Ziel in Frage. Durch ein wenig Geschick und mächtig viel Glück bin ich dabei auf das Landhotel Moerisch gestossen. Familiär geführt und mit einem Haubenkoch ausgesattet, las sich die Beschreibung sehr gut, zumal noch ein Zimmer mit separatem Kinderzimmer verfügbar schien. Ganz nebenbei fiel mir auch auf, dass das Hotel direkt am Golfplatz des GC Millstätter See liegt – wie gesagt, ganz nebenbei.

Das Zimmer war unkompliziert und mit tollem freundlichen Service gebucht und zum ersten mal nahm ich meine Golfschläger mit auf Reisen. Nach einem Zwischenstopp in meiner Münchner Wohnung kamen wir gutgelaunt am Millstätter See an und waren sofort begeistert. Vom Balkon hatte ich Blick auf die 13. Bahn des Millstätter Kurses und mein Herz hüpfte vor Freude.

Nach der Startzeitenreservierung durch das Hotel fand ich mich für meine erste Runde auf dem Millstätter Platz am Tee 1 ein und traf dort Familie Schmidt am Abschlag, die ebenfalls im Moerisch wohnte (wir erkannten uns natürlich, denn das Hotel hat nur 40 Zimmer). Gemeinsam mit Ralph, Susanne und Sohnemann Jonas (mit einem beachtlichen Drive für seine 13 Jahre) ging es dann auf die 18 Löcher und ich kann sagen, dass ich mit den Dreien einen fantastischen Flight gefunden habe, der sich während des Urlaubs immer wiederfand, schon allein deshalb, weil Ralph ebenso golfverrückt ist wie ich (an dieser Stelle ein herzlicher Gruß!).

Neben der superangenehmen und lockeren Atmosphäre, profitierte ich auch besonders von der Platzkenntnis der drei Mannheimer. Auf einem Hochplateu über dem Millstätter See gelegen, ziehen sich die ersten Neun wie ein Schmuggelpfad hoch und runter und links und rechts durchs Gelände. Wunderschön in die Natur eingebettet, ist man hier mit einigen blinden und kniffligen Schlägen konfrontiert. Nicht umsonst gastiert hier auch die European Challenge Tour … und einfach kann ja jeder ;-)

Zum Beispiel die vierte Bahn. Das Handicap-1-Loch erfordert einen präzisen Drive ins Dogleg. Solltet ihr versuchen, die Bahn links wie auf der Graphik abzukürzen – vergesst es, denn der Berg ist im Weg. Rechts lauert dichter Märchenwald und das Fairway ist schön schmal. Der zweite Schlag geht dann blind über eine Kuppe. Und wer hier allein unterwegs ist, kann schon mal locker den Ball im Wasserhindernis oder sonstwo verlieren – man sieht ja nicht, wo er hinfliegt :-)

Oder die Sieben – bergauf über eine Schlucht, um dann das Grün anzugreifen, welches direkt vor einer Felswand liegt … einfach schön.

Durch das Kraxeln am Berg musste die Pumpe ordentlich arbeiten; und Golf ist definitiv ein Sport, sofern man kein Elektrocart benutzt. Aber wir sollten uns wieder erholen, denn die zweiten Neun unterscheiden sich sehr vom Bergprofil der ersten Halbrunde. Die zweite Kurshälfte ist flacher und es kommt, bis auf Loch 12, immer Wasser ins Spiel. Vielleicht ist mir hier auch deshalb ein Birdie gelungen :-)

Ursprünglich hatte ich vor, auch die Plätze in Bad Kleinkirchheim und St. Michael im Lungau zu spielen. Aber der Millstätter Course ist landschaftlich dermaßen schön, dass ich gar keinen Bock hatte, woanders zu spielen. Oder anders gesagt – der Millstätter Golfplatz hat mir jedesmal eine andere Seite gezeigt, so dass ich gar nicht weg wollte.

Einen Satz muss ich noch zum Hotel verlieren. Ich war so begeistert, dass wir schon beschlossen haben, im nächsten Jahr wieder dort zu urlauben. Die geschmackvolle und sehr herzliche Atmosphäre des Hauses und des gesamten Teams schaffte es, dass ich mich – ehrlich urlaubsreif – schon nach vier Tagen erholt zurücklehnte, wobei auch die exzellente Küche dazu beitrug. Über die abendlichen Fünf-Gänge-Menus hat sich nicht nur mein Gaumen gefreut, die Hüfte auch …

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